1.) Die Zukunft wird Mangel und Rückschritt für die meisten Menschen bedeuten. Reichtum und Zugang zu High-Tech wird es nur für Wenige geben.
Bislang hat die Zukunft immer Fortschritt bedeutet, für die einen schneller, für die anderen langsamer. Im tiefsten Afrika haben Menschen heute Zugang zu Dingen wie Polio-Impfungen oder Mobiltelefonen. Die derzeit akzeptierten Hochrechnungen der VN gehen übrigens auch davon aus, dass sich die Population ungefähr bei 9 Milliarden Menschen einpendeln wird. Deinen Pessimismus teile ich entsprechend nicht.
2.) Wann ist der Fortschritt gekommen, wann jemand wieder aufgetaut werden darf?
Wenn man die Todesursache, die Schäden durch die Kryopreservation und gegebenenfalls durch Alterung heilen kann. Hier entscheidet übrigens nicht „die Gesellschaft“ an sich, sondern mit wachsender „Tradition“ der Kryonik wächst auch die Zahl der Menschen, die einen guten Freund, eine Mutter oder einen anderen nahen Verwandten haben, der kryonisch aufbewahrt wird – und die die Kryonik optional für sich selbst als Notfallmedizin in Betracht ziehen. Diesen Menschen traue ich zu, dass sie die Situation zu gegebener Zeit werden einschätzen können – so wie ein Arzt heute grundsätzlich einschätzen kann, ob eine Operation erfolgversprechend ist.
3.) Verluste im Gedächtnis kommen dem Tod gleich. Wenn Erinnerungen schon beim Einfrieren verloren gehen, kann auch die beste Technik diese verlorenen Erinnerungen nicht rekonstruieren, auch wenn der restliche Körper repariert wird. Wer ist das, der da aufersteht? Ist es noch derselbe, der es vorher war?
Gegenfrage: Ist wer heute Morgen aufwacht die gleiche Person wie vor 10 Jahren? Oder wie vor 20 Jahren? Irgendwie ja, und irgendwie auch nicht. Auch hier ist es – bei den meisten Menschen – zu teilweise erheblichen „Gedächtnisverlusten“ gekommen! Kommt es „dem Tod gleich“, wenn man beispielsweise nicht mehr weiß, welches Essen man vor 25 Jahren im Kindergarten besonders wenig mochte?
4.) Selbst wenn es doch klappen sollte – wider Erwarten, denn Chancen liegen unter 1 %, dass es klappt. Der Aufwachende würde sich in einer fremden Hölle befinden. Gefährliche Viren die das Immunsystem nicht kennt, neue Sprache, fremdartige Gebräuche, keine Verwandten, keine Freunde, keiner der einen versteht.
Die meisten Kryoniker entscheiden sich sehr bewusst für diese Option und sind sich der Risiken sehr wohl bewusst. Fremde Hölle?? Ha! Wenn ich dafür weiter leben und „die Zukunft“ sehen kann, werden eine neue Sprache, unbekannte Technologien und fremdartige Bräuche wahrlich das kleinste Hindernis sein! Und das Immunsystem kriegen wir dann auch noch auf Trab – zumal wenn die Medizin dann bereits die Reanimation beherrscht! Bei Verwandten und Freunden darf man, wie oben erwähnt, nicht vergessen, dass die Kryonik sehr jung ist. Ich habe inzwischen viele Freunde, die diese Option für sich in Betracht ziehen – teilweise ganze Familien.
Kryonik ist daher auf jeden Fall abzulehen: Kryonik ist bestenfalls blinde Naivität und schlimmstenfalls Betrug durch Betrügerfirmen an gutgläubigen Menschen.
Ich halte mich nicht für naiv oder blind. Ich bin kein Überzeugungstäter, sondern habe mir die Grundlagen und Fakten mühsam erarbeitet (Buch- und Videotipps gebe ich auf Anfrage gern). Die Kryonik ist derzeit die einzige wissenschaftlich fundierte Möglichkeit, die Chance auf ein Weiterleben nach dem „Tod“ auf einen Wert >0 zu heben – insbesondere, wenn der Tod bald und schnell eintritt. Nicht wenige 25-jährige scheiden wegen plötzlicher Krebserkrankung binnen weniger Monate aus dem Leben – da hilft das Warten auf Lebensverlängerung wenig.
„Betrug“ kann man übrigens weitestgehend ausschließen, da die meisten Organisationen in dem Bereich gemeinnützige Vereine sind – in der Regel durch Menschen geleitet und getragen, die sehr viel Wert auf die Kryonik, auf organisatorische Transparenz, auf wissenschaftliches Arbeiten und auf Integrität legen.